Die Zukunft des Jemen ist nicht seine Vergangenheit

04.11.2015

 
Filmmatinee mit Experten-Forum über den Jemen

Die Zukunft des Jemen ist nicht seine Vergangenheit

(dup) „Jemenitische Träume – Gesichter und Geschichten“ hieß eine Veranstaltung mit Dokumentarfilmen und Diskussionsrunde zur Lage des südarabischen Landes in Marias Kino, Bad Endorf. Gudrun Orth, Vorsitzende der Deutsch-Jemenitischen Gesellschaft (DJG) zeigte sich sehr erfreut über das große Interesse, das die Veranstaltung über die aktuelle Situation im Jemen auslöste.

„Man könnte fürchten, dass die Träume, die wir alle nach der Revolution 2011 hatten, das einzige sind, woran wir uns noch festhalten können“ hieß es in dem Grußwort von Andreas Kindl, Botschafter in Jemen und Schirmherr der Matinee, der leider nicht persönlich an der Veranstaltung teilnehmen konnte. „Jetzt, nach 200 Tagen Krieg und am Rande einer humanitären Katastrophe“ so Kindl, „hat in Jemen selbst kaum jemand Zeit und Gelegenheit zum Träumen, ein jeder ist auf der Suche nach Wasser, Nahrung, Medizin, Treibstoff“. Dass im Jemen momentan die Waffen das Sagen haben, bedauerte auch die Bonner Politikwissenschaftlerin Marie-Christine Heinze und zeigte sich nicht optimistisch, dass mit einer schnellen politischen Lösung der kriegerischen Auseinandersetzungen zu rechnen sei. Dafür gebe es zu viele Konfliktlinien. Außerdem, so Heinze, gehe es in erster Linie um einen Kampf um Ressourcen, nicht um eine Auseinandersetzung der Religionen, wie es häufig dargestellt wird. Die Zugehörigkeit zu der einen oder anderen Konfession sei im Jemen nie ein Thema gewesen. Die in Berlin lebende Facebook Aktivistin und Historikerin Arwa Ahmad Alkhutabi betonte, dass es sich eigentlich um zwei Kriege handelt: einer im Land und einer, der über ein militärisches Bündnis unter Führung Saudi-Arabiens ins Land getragen werde. Auch bedauerte sie, dass diese beiden Kriege so wenig Aufmerksamkeit in deutschen Medien erhalten. Sie äußerte die Hoffnung, dass Deutschland in dem Konflikt eine größere Rolle einnehme, da es das einzige Land sei, das gegenwärtig zu allen Konfliktparteien Zugang habe und mit diesen im Gespräch sei. Deutschland könne eine konstruktive Rolle bei Verhandlungen zur Lösung des Konflikts und beim Wiederaufbau einnehmen, das betonte auch Moderatorin und DJG-Vorsitzende Gudrun Orth, die selbst immer wieder im Jemen Entwicklungsprojekte betreute. Zur Sprache kamen auch ganz aktuell die deutschen Waffenlieferungen an Saudi-Arabien und Katar, die alle Referenten als sehr problematisch einstuften. Eindringlich appellierte Arwa Ahmad Alkhutabi an die Staatengemeinschaft, endlich den Krieg zu stoppen.

Mit den beiden Dokumentarfilmen „Was fotografiert werden muss“ der Hamburger Ethnologin und Filmemacherin Irina Linke und „Outward Bound for Moral Change“ (Bereit für den Wandel) der aus Bad Endorf stammenden Islamwissenschaftlerin und Videoreporterin Daniela Siebeck wurden die Hoffnungen und Träume der Jugend vor der Revolution 2011 gezeigt. Die Zukunft des Jemen ist nicht seine Vergangenheit – darüber waren sich Daniela Siebeck, Arwa Ahmad Alkhutabi, Marie-Christine Heinze (von links) bei dem Jemen-Forum in Bad Endorf einig.

Weitere Informationen über die DJG gibt es im Internet unter www.djg-ev.de.



 
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