Der berühmte Dauerbrenner mit den fiesen Charakterzügen feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag - Für viele ist "Mensch ärgere Dich nicht" die Mutter aller Brettspiele

13.10.2014
Schmidt Spiele: 100 Jahre "Mensch ärgere dich nicht"

Der berühmte Dauerbrenner mit den fiesen Charakterzügen feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag - Für viele ist "Mensch ärgere Dich nicht" die Mutter aller Brettspiele

Spieler, jetzt freut euch mal! (dtp) Obwohl es wirklich keinen Grund zum Ärgern gibt, bleibt die Mine des genervten Anzug- und Krawattenträgers auf der knallroten Packung unbeeindruckt griesgrämig. Vielleicht liegt's am giftgrünen Streitpotenzial des Packungsinhalts, dass bei dem finster blickenden Herrn keine Freude aufkommt. Grund dazu gibt es allemal: "Mensch ärgere Dich nicht", von vielen als Mutter aller Spiele bezeichnet und hierzulande in jedem Haushalt vertreten, feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag!

Die Geschichte des berühmten Jubilars, von dem bislang etwas mehr als 90 Millionen Exemplare unters deutsche "Spielevolk" gebracht wurden, begann 1907 in einer winzigen Wohnküche im Armeleuteviertel jenseits der Isar in der Münchner Au. Dort tüftelte Joseph Friedrich Schmidt, der als Fierant – also Händler – am berühmten Viktualienmarkt eingetragen war, an einem Spiel, das 100 Jahre später einen Ehrenplatz im Bonner 'Haus der Geschichte' haben sollte. Aus einem verbeulten Hutkarton und mit kleinen Holzklötzchen schnitt, schnitzte und malte der in Amberg (24.11.1871) geborene Bastler an einem "Beruhigungsmittel", mit dem er den Tatendrang seiner beiden Söhne Franz und Karl sowie der Tochter Marta in der engen Wohnung bremsen wollte. Für seine Idee holte er sich die Inspiration bei einem Laufspiel, das gut und gerne bereits 2000 Jahre alt ist: das indische Laufspiel Pachisi. Schmidt fuhr die Regeln dieses mythologischen Taktikspiels zurück aufs Wesentliche, ließ die Figuren um ein Kreuz auf dem Spielplan laufen und gab die kleinen Kegel während der gesamten Spieldauer zum "Abwurf" frei. Sehr zur Freude des Geschwistertrios – und der Eltern. Denn fortan war Ruhe in der kleinen Mietwohnung in der Au, auch wenn sich dort am Küchentisch jetzt manch einer noch mehr ärgerte – und dabei ungemein viel Spaß hatte. "Mensch ärgere Dich nicht" meinte dazu Joseph Friedrich Schmidt und hatte den Titel für sein kleines Spiel gefunden.

So richtig geärgert hat sich damals ja eigentlich nur er: Denn als Joseph Friedrich Schmidt mit seinem Spielspaß an die Öffentlichkeit wollte, blieb er auf wenigen, handverlesen gebastelten Exemplaren sitzen! Keiner mochte am Vorabend des Ersten Weltkriegs ans Spielen denken. Doch der glücklose Erfinder gab nicht auf! Was man heute als geniale Marketingidee bezeichnen würde, öffnete 1914 die Tür für Deutschlands Spieleliebling Nr. 1: Schmidt investierte erstmals in größerem Stil in seine Idee, ließ 3.000 Exemplare "Mensch ärgere Dich nicht" herstellen und schickte diese Erstserie als Sachspende an die Lazarette. Der lustige Zeitvertreib mit Pöppel, Würfel & Co schlug ein! Und nicht nur an den Krankenbetten...

Das temporeiche Vorrücken, schadenfrohe Blockieren und mitleidslose Rausschmeißen sorgte landauf landab für fröhliche Spielerunden – und Vergessen. Und als die deutschen Landser zu Hause ihre Tornister wieder auspacken durften, steckte darin neben vielen Erinnerungen eben auch "Mensch ärgere Dich nicht". Gefreut hat sich darüber besonders natürlich Josef Friedrich Schmidt, der schnell zum angesehenen Besitzer eines kleinen Spieleverlags avancierte: Bereits zwei Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkriegs standen mehr als eine Million der roten Kartons mit dem düsteren Herrn im geschwungenen M in den Wohnzimmern der Deutschen. "Mensch ärgere Dich nicht" war bei ihnen angekommen. Auch dank seines günstigen Preises: 35 Pfennige kostete das schnell zum Bestseller avancierte Spiel; weniger als man damals für ein Pfund Zucker zahlte.

"Mensch ärgere Dich nicht" ist für viele der Inbegriff des Gesellschaftsspiels und für die meisten "Einstiegsdroge" in die vergnüglich-kurzweilige Spielewelt. Es gibt hierzulande nur wenige, die sich an langen Abenden nicht "süchtig" gewürfelt haben bei der rasanten Jagd mit den farbigen Pöppeln über die 40 Kreise auf dem gelben Spielbrett. 100 Jahre lang hat sich "Mensch ärgere Dich nicht" nach diesem Prinzip durchs Leben und in die Herzen der großen und kleinen Spielefans gespielt. Und die unendlich gute Geschichte geht weiter. Auch heute noch werden jährlich rund 400.000 Exemplare dieses "populärsten Gesellschaftsspiels der Nation" (Spiegel) verkauft – trotz vielfacher digitaler Verlockungen. Diesen stellt sich "Mensch ärgere Dich nicht" ganz selbstbewusst mit einer eigenen smarten App, die zu den meistverkauftetsten Anwendungen avancierte.

Die Rechte für Titel und Design dieses großen Spiels um Schadenfreude liegen beim Schmidt Spiele Verlag, der bis 1997 von den Nachfahren des Erfinders geführt wurde und seit Mitte 1997 zur Good Time Holding in Berlin gehört. Schmidt Spiele zählt mit Brettspielen, Puzzles, Plüschfiguren und digitalen Entertainment-Produkten zu den großen deutschen Spieleverlagen und kennt sich mit Klassikern und Bestsellern aus: Demnächst steht wieder ein Jubiläum ins Haus, wenn "Spitz pass auf!" seinen 75. Geburtstag feiert…

Wer tiefer in die Geschichte dieses genialen Spiels einsteigen möchte, sollte sich die Sonderausstellung "Mensch ärgere Dich nicht: Das populärste Spiel der Nation" im Museum Malerwinkelhaus im unterfränkischen Marktbreit (10. April – 2. November) nicht entgehen lassen. Die von Dr. Simone Michel-von Dungern konzipierte Wanderausstellung zeichnet mit zahlreichen Exponaten der Originalmarke, Vorläufern und kreativen Nachahmungen sowie Beispielen aus Werbung, Film und Fernsehen die Erfolgsgeschichte dieses Spiels von den Anfängen bis heute nach.

Einige Fakten rund um "Mensch ärgere Dich nicht"

Der Erfinder / der Verlag: Josef Friedrich Schmidt (* 24.11.1871 in Amberg, † 28.09.1948 in München) entwickelte ein Spiel, das 1914 erstmals in einer Serie (3.000 Exemplare) aufgelegt wurde und von dem bislang rund 90 Millionen Exemplare verkauft wurden. "Mensch ärgere Dich nicht" ist die Wurzel des Schmidt Spiele Verlags, der bis 1997 von den Nachfahren des Erfinders geführt wurde. Seit Mitte 1997 gehört die Schmidt Spiele GmbH zur Good Time Holding in Berlin. Der Schmidt Spiele Verlag gehört mit den Marken 'Schmidt', 'Hans im Glück', 'Drei Magier Spiele' und 'Kiddinx' zu den führenden deutschen Spieleherstellern.

Das Original: Wie bei einem Rezept, lassen sich auch die "Zutaten" für eine Spielidee nicht schützen. Das ist auch der Grund, warum es weltweit eine Vielzahl von Spielen gibt, die sich (bewusst) an die erfolgreiche "Mensch ärgere Dich nicht"-Idee und -Optik anlehnen. Der Titel "Mensch ärgere Dich nicht" und die unverwechselbare Grafik der roten Packung und des Spielplans jedoch sind geschützt. Die Plagiate haben nie den Erfolg des Originals erreicht, auch wenn die "Mensch ärgere Dich nicht"-Idee keine Grenzen kennt. In der Schweiz ärgern sich die Eidgenossen bei "Eile mit Weile", unterm Eiffelturm würfeln die Franzosen mit "T'en fais pas", die Italiener fragen "Non tarrabiare?", in Spanien nennt sich der deutsche Klassiker kurz "Parchis", die Amerikaner haben daraus "Frustration", die Engländer "Ludo" gemacht. In Holland heißt der Spielehit "Mens erger je niet".

Wußten Sie, dass…
der Unterwasser-"Mensch ärgere Dich nicht"-Rekord bei 36 Stunden liegt
der Rekord im "Mensch ärgere Dich nicht"-Dauerspielen bei 204 Stunden liegt
das größte "Mensch ärgere Dich nicht"-Spiel 6 x 6 Meter misst
es "Mensch ärgere Dich nicht"-Meisterschaften mit über 300 Teilnehmern gibt
in der Ausstellung "Unsichtbare Dinge. Typisch chinesisch. Typisch deutsch" im Museum für Völkerkunde, Hamburg ein "Mensch ärgere Dich nicht" als Beispiel für einen typisch deutschen Alltagsgegenstand gezeigt wird
es Wandtattoos im typischen Look des Spiels in verschiedenen Größen gibt
dass überdimensionale "Mensch ärgere Dich nicht"-Figuren die Mitte eines Kreisverkehrs in Kornwestheim zieren
mit dem unverwechselbaren Design von "Mensch ärgere Dich nicht" Duschvorhänge, Kreditkarten, Tassen, Vasen, Tapeten, Handyhüllen etc. gestaltet werden
in der Deutschen Schuhfachschule in Pforzheim ein Paar Schuhe ganz in der Optik von "Mensch ärgere Dich nicht" von Johannes Thiem gestaltet wurden.

Die Varianten: "Mensch ärgere Dich nicht" gibt es beim Schmidt Spiele Verlag in unterschiedlichen Ausführungen (und mit unterschiedlichen Preisen): Zum Jubiläum erscheint der beliebte Klassiker u.a. in einer edlen Gold-Edition mit schönen Holzfiguren und goldenem Würfel (ca. 19 Euro). Für Nostalgiker gibt es ein Original Remake mit nachempfundenen Holzmaterial aus dem Jahre 1920 und in abgenutzer Optik (ca. 7 Euro). Für die Karten-Freaks kam "Mensch ärgere Dich nicht – Das Kartenspiel" auf den Markt, in dem ein witziger Klau-Mechanismus die Mitspieler so richtig schön zum Ärgern bringt (ca. 8 Euro). Die Kleinen können mit lustigen Disney-Charakteren wie den berühmten Cars oder Tinkerbell lernen, dass verlieren bei ihrer ganz speziellen "Mensch ärgere Dich nicht"-Variante viel Spaß machen kann (ca. 22 Euro). Sehr gut für Senioren geeignet ist dagegen eine "Mensch ärgere Dich nicht"-Ausgabe (Classic Line) mit extra großen Spielfiguren aus Holz, ca. 18 Euro. Die Standardversion für zwei bis sechs Spieler kostet ca. 13 Euro, der Mitbring-Spaß für unterwegs ca. 6 Euro. Ganz in der guten alten Tradition und im Design von "Mensch ärgere Dich nicht" ist die neueste Variante "Mauerhüpfer" angelegt. Ein sprunghaftes Vergnügen für alle, denen der Ärger beim Herauswerfen und die Freude beim Gewinnen nicht fies genug sein kann (ca. 19 Euro).

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SCHMIDT SPIELE - Der Verlag gehört zu den führenden deutschen Anbietern im Spiele- und Puzzlemarkt. Unter der Marke SCHMIDT SPIELE, die 2014 ihren 100. Geburtstag feiert, werden populäre Kinder- und Erwachsenenspiele vorgestellt, darunter Klassiker wie „Mensch ärgere Dich nicht“ und „Kniffel“. 2011 erhielt das Familienspiel „Qwirkle“ die Auszeichnung „Spiel des Jahres". www.schmidtspiele.de



 
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